In einer herbstlich kühlen Nacht erblickte ich 1949 unter dem Schutz der Grande Nation Frankreich das Kunstlicht dieser Welt (draußen war´s ja dunkel). Mein Geburtsort liegt mitten im schönen Saarland, das damals als autonome Region unter dem Protektorat Frankreichs von einem ungeliebten Ministerpräsidenten unterdrückt wurde. So entschloss ich mich im zarten Alter von fast sechs Jahren in den Untergrund zu gehen, um von dort das leidende Volk zu befreien.........
 
Mann, wenn das nicht der toller Beginn einer noch tolleren Biografie ist......
Man könnte es aber auch anders ausdrücken:
 
Ich wurde 1949 im Saarland geboren. Kurz vor meiner Einschulung drückte mein Vater mir und meinen Freunden ein paar Stapel Flugblätter unter den Arm. Diese brachten wir dann heimlich unters Volk.
Der Grund, dass unsere Väter uns Knaben diese „Terroristentätigkeit“ abverlangten, war ein ganz profaner. Hätte man unsere „Alten“ dabei erwischt, hätte das übel für sie ausgehen können.
Uns Kindern trat man in den A...., das war´s.
So war ich also mit daran beteiligt, dass der Dicke weg kam und wir seit 1957 wieder zum "Reich" gehören......
Zur selben Zeit etwa wurde ich Intendant, Regisseur, Hauptdarsteller und Kartenverkäufer eines kleinen Theaters im Keller meines Elternhauses.
Die Eintrittspreise lagen zwischen anfangs 2 Franken bis am Schluss 5 Pfg.
Bei einer Wochenvorstellung mit durchschnittlich zehn Zuschauern blieb mir damit eine Steuer auf Kapitalvermehrung erspart.......
Als immer mehr Haushalte über einen Fernseher verfügten, war ich gezwungen, mein Theater zu schließen
 Anfang der sechziger Jahre bekam meine fünf Jahre ältere Schwester einen Koffer-Plattenspieler.
Da ein Zehnjähriger im Normalfall immer über ein gewisses Halbwissen bezüglich des Liebeslebens (oder was er dafür hielt) seiner älteren Schwester verfügt, konnte ich mir damals stundenweise Zugang zu diesem Plattenspieler verschaffen.
Ich wurde also Radiosprecher und schuf meine eigene Hitparade mit 5 Plätzen. Schließlich hatte meine Schwester zur damaligen Zeit nur zehn Singles, also zwanzig Titel. Das ist nicht viel für einen „Radiosender“, auch wenn er nur über das offene Fenster betrieben wurde, über noch weniger Zuhörer als Platten verfügte, und die zu guter Letzt nicht mal alle begeistert waren. Aber ich war mit der Zeit immer öfters begeistert, und zwar von der Beatmusik.
Heute zurückblickend wird mir bewusst, welche Fülle oder Dichte oder Erfahrungen an Leben in den folgenden Jahren an mir vorbei rauschten, mich mitrissen, mich prägten.
Mein Vater akzeptierte zum ersten mal einen Freund meiner Schwester. Und dieser Freund, heute mein Schwager, hatte alle Platten der Beatles. Mit Schwesterleins Plattenspieler und Freundes Beatles-Platten konnte man mich damals unter Kontrolle halten. So fanden Schwesterlein und Freund, so fanden Elmar und die Musik jeweils zueinander.
 
In meinem Wohnort gab es damals „Bachingers Kneipe“. Der Wirt spielte Jahre zuvor in einer bekannten Kapelle das Schlagzeug. Es gelang ihm, seinen Sohn am Schlagzeugspiel zu begeistern.
Er stattete ihn mit einem für damalige Verhältnisse sündhaft teuren Ludwig Schlagzeug aus, finanzierte eine Verstärkeranlage und Sohnemann Eddy bildete zusammen mit drei Freunden die Schülerband „Snakes“.
 
Was hat das mit mir zu tun?
Nun, eines schönen Sonntags geriet ich auf den Spuren einer süßen jungen Dame just in Bachingers Kneipe. Diese war proppenvoll, ich erwischte mit Mühe und Not einen Stehplatz im Durchbruch zum größeren, abgedunkelten Nebenraum.
Kaum hatten sich meine Augen an das schummrige Schwarzlicht gewöhnt (der Effekt mit den blauen Nylonhemden, die in Wirklichkeit weiß waren), hörte ich zum ersten mal in meinem noch jungen Leben das Geräusch aneinander geschlagener Schlagzeug-Sticks. 
 Klack    +   Klack   +   Klack Klack Klack Klack
Money“ in der Version der Beatles.
Jeder Ton dieses Songs war mir durch Schwesterleins Koffer-Plattenspieler vertraut.
Aber so hatte ich es noch nie gehört, ach was sage ich gehört, gefühlt hab ich dieses Lied, mit jeder Faser meines Körpers.
Und gespielt wurde es von Menschen, die ich kannte, mit denen ich täglich sprach. Natürlich wusste ich von der Band, aber dass das soooooo klingt...........
Die süße junge Dame ? Die kam anderweitig unter..................
Von einem zum anderen Moment wurde mir schlagartig klar:  
Diese Musik will ich nicht mehr nur hören, fortan werde auch ich diese Musik machen.
So geschehen und erlebt im Jahre 1963.
 
 
Zwei Tage später, nach einer Probe der „Snakes“ saß ich zum ersten Male in meinem Leben hinter einem Schlagzeug, genau hinter Jung-Eddys Schießbude.
Eddy erklärte mir den Sinn vom Vorzähler
 
„Klack + Klack + Klack Klack Klack Klack“
 
im Bezug zum damit festgelegten Zeitmaß und Tempo des Songs, und seitdem spielt sich mein Leben zahlenmäßig hauptsächlich in Vierteln ab.
 
Es ließ sich nie eindeutig klären, wer in meiner Genreihe für das voneinander unabhängige und sich bei mir schnell einstellende rhythmische Funktionieren der Hände und Füße verantwortlich war. Tatsache ist jedenfalls, dass ich es ganz schnell auf die Reihe bekam.
Ich übte wie ein Verrückter auf allem was perkussive Töne von sich geben konnte. Jeder der wollte oder auch nicht, konnte oder musste sich von meinen Fortschritten überzeugen, nur einer nicht.
Mein Vater, vehementer Vertreter von Toleranz und kultureller Weitsicht (sofern er sie nicht selbst üben musste) sah in der aufkommenden Yeah-Yeah-Welle den beginnenden Untergang des Abendlandes und verbat sich in seinem direkten Umfeld jegliche Geräusche, die dieser „Musik“ zuzuordnen waren.
Dadurch war ich also  gezwungen dieses, sein direktes Umfeld zu meiden und auf die menschliche und vor allem materielle Unterstützung meiner lieben Mama zu bauen.
 
Man kann es vorweg nehmen, wir alle, also Jung-Elmar und seine ganze Familie (einschl. Papa) meisterten und überstanden diese Zeit ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Und auch das Abendland ist noch da......
 
Meinen ersten richtigen Auftritt erlebte ich als Ersatzdrummer (der echte Drummer war krank) der Zweibrücker Band
The Satellites“.
Das erste vor Publikum gespielte Stück meines Lebens war „Love Potion Number 9“.
 
Vor dem „Klack + Klack  + Klack Klack Klack Klack“ war für alle im Saal zwar leise, aber trotzdem deutlich, ein blechernes, hohes „Rasseln“ zu hören. Es kam vom nicht ganz fest geschlossenen Hihat, ausgelöst durch meinen linken Fuß, der meine schlotternde Aufregung aufs Pedal übertrug.
 
Die Nummer und alle folgenden liefen Klasse, und dieses Schlottern war nie wieder zu hören (es verlagerte sich in die Magengrube und gribbelt noch heute kurz, bevor ich das erste Lied am Abend spiele. Und wenn es gar nicht mehr gribbelt, werde ich aufhören, garantiert).
Seit diesem Tag damals, kennt die Welt Elmar Herz,...,(räusper) ...oder so ähnlich.

 

 

Der Rest der Geschichte liest sich dann so, wie der vieler anderer Musikanten
Vor vielen Jahren – ich erinnere mich noch ganz schwach daran – musste ich noch, wie viele andere auch, mein täglich Brot mit regelmäßiger Arbeit verdienen.
„Nebenher“ baute ich mir mit fast 100%iger Eigenleistung eine Hütte.
Mein Hobby finanzierte ich mir als angemeldeter, Steuern zahlender musikalischer Dienstleister (Gewerbeschein!!!), auch Alleinunterhalter genannt.
Mehr so zum Spaß spielte ich noch unterschiedliche Instrumente in unterschiedlichen Band Besetzungen.
Was dann noch als Zeit übrig blieb, steckte ich in die musikalische, technische Fortbildung.
So erlernte ich die Midifile- und die damit erweiterte Styleerstellung.
Wissenswertes über die unterschiedlichen Keyboardtypen kam so fast von selbst dazu.    
Da ich im Zuge der regelmäßigen Arbeit u.a. längere Zeit in Regionen beschäftigt war, in denen einem diese Arbeit nicht gerade leicht fällt, sie zudem besondere Gefahren bereit hielt und die meisten Menschen dort erst gar nicht hin wollen, gehöre ich zu den Privilegierten, die recht früh mit dem Ausüben dieser Tätigkeit aufhören durften.
Will einfach nur heißen, dass ich recht jung alt werden durfte und ins Rentnerdasein über wechselte.
 
Auch war die Hütte schon lange fertig. Und so konnte ich mich noch mehr dem „Musikmachen“ im Nebenerwerb widmen und konnte noch mehr in die Tiefen meiner Keyboards eintauchen.
Ich frage mich manchmal tatsächlich, wo ich vorher die Zeit für „die Arbeit“ hergenommen hatte......
 
Und es kam die Zeit, da durfte ich nicht nur der Gruppe der Alten angehören, nein, ich fühlte auch so.
Das Ende meiner „Karriere als Alleinunterhalter“ nahte mit großen Schritten und ab einem bestimmten Tag brauchte ich mich nur noch um mein Hobby „Keyboard mit allem Drum und Dran“ zu kümmern.
All das, was früher in keinen Terminplan mehr passte, konnte ich nun angehen und ausleben.
Tatsächlich?
Ist das so?
Mittlerweile habe ich nämlich auch eine alte „Volksweisheit“ auf Wahrheitsgehalt überprüfen können.
Als Rentner hast du überhaupt keine Zeit mehr........
Stimmt !
Und darum brauchen die Leser meiner Seite auch viel Geduld.