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Entscheidet man sich heutzutage beim Kauf für ein ganz bestimmtes Arranger-Keyboard, tut man dies nicht nur allein der guten „Klangeigenschaften“ wegen. Oft spielen dabei auch die Anzahl und die Qualität (bezogen auf den eigenen Geschmack) der mitgelieferten „eingebauten“ Werkstyles eine große, wenn nicht die größte Rolle.
In der Steinzeit dieser Instrumentenklasse, gab es sogar nur diese Werkstyles, allgemein deshalb auch nur Styles oder Rhythmen genannt.
Später dann konnte man zusätzliche Styles auf Steckkarten oder noch später auf Disketten   nachkaufen. Man teilte dann die Styles in zwei Kategorien ein, nämlich in die Werkstyles oder Factorystyles und eben die nachladbaren „User-Styles“. Zweite Kategorie wurde erst mit der Möglichkeit, diese am Gerät selbst oder aber über Software zu erstellen, ihrem Namen wirklich gerecht.
Diese Unterteilung finden wir bis heute in den Keys der verschiedenen Hersteller vor, wobei es schon solche gibt, die ihre Werkstyles zwar noch wie eh und je mitliefern, diese allerdings nicht mehr „fest einbauen“.
Allgemeines zu Werkstyles von Gestern bis Heute.......
Nun, „Otto-Normal-User“ dürfte es in der Regel schnurzegal sein, wo und wie diese Styles im Keyboard seiner Wahl gespeichert sind. Ihre Beschaffenheit und die Auswahlmög-lichkeiten unter vielen Musik-Genres sind wohl noch immer das Hauptkriterium für die Entscheidung zu einem ganz bestimmten Keyboard.
Und was da , bedingt durch die technische (R)Evolution der letzten Jahrzehnte, in den heutigen Arranger-Keyboards geboten wird, ist schon sensationell. Hätte man dies in den frühen Siebzigern so vorausgesagt, man wäre als Träumer ausgelacht worden.
Und trotz oder gerade wegen dieser rasanten Entwicklung im technischen Bereich sind Situationen entstanden, die man in User-Kreisen auf den ersten Blick so noch gar nicht erkannt und realisiert hat.
Wieso waren Alleinunterhalter vor über 35 Jahren in der Lage,
auf einer Orgel mit Begleitautomaten und 8 (i.W. Acht) Styles
eine weit größere Song- und Liederpalette abzudecken,
als dies heute mit mehr als 300 Styles möglich ist?
 
Wie sind die Werkstyles unserer heutigen Keyboards überhaupt im Laufe der Zeit entstanden ?
 
„Alleinstehende“ Musiker, also Solisten, hat es schon immer gegeben,
sei es am Piano in der Spelunke bis hin zum Konzertsaal, sei es am Akkordeon, der Zither, an der Gitarre.
Für diese Art von Musikdarbietungen bedarf es bis heute keiner Begleitautomatik.
 
Diese wurde „erfunden “ und im Laufe der Zeit aufs Herrlichste weiterentwickelt,
um ein Musik-Ensemble, bedient durch eine Person zu simulieren.
Doch zurück zum Ursprung:
 
Wohl eines der kleinsten Ensembles für „leichte Unterhaltungsmusik“. Akkordeon und Schlagzeug erfreuten sich früher auf Volksfesten, Kirmes und Fasching großer Beliebtheit, vor allem, wenn ein größerer Rahmen mit „richtiger Kapelle“ das Budget sprengte.
Häufig für volkstümliche Musik eingesetzt (spezifisch nach Landesregion), erfährt es zur Zeit in einigen Gegenden eine erfreuliche Wiederbelebung.
Mit fortschreitender "Elektrifizierung" in der Musik wurde immer öfter das Akkordeon durch eine „Hämmend-Orgel“ ersetzt, obwohl es in den seltensten Fällen um eine solche handelte.
Zur damaligen Zeit wurden eben alle Orgels so genannt, wenn sie nur elektrisch „getrieben“ waren.
In dieser Besetzung konnte auch ein größeres Musikspektrum abgedeckt werden. Man war in der Lage, dem "nur Volkstümlichen" zu entrinnen.
 
„Ich kann mir dieses ewige Gewimmer nicht mehr länger anhören...“, war allerdings auch gelegentlich zu vernehmen......
Irgendwann war es dann soweit, dass Orgelspieler und Schlagzeuger keinen Streit mehr miteinander hatten.

Der Orgelspieler hatte nämlich seinen Drummer durch eines dieser „neumodischen Rhythmus-Geräte“ ersetzt. Analoge Schlagzeuge, die so klangen, als hätte man heutzutage die Klappen- und Ventilgeräusche einer Herz-Lungen-Maschine gesampelt.

Jedenfalls erklang plötzlich ein Ensemble, "bedient" von nur einer Person. Nach einem Hit eines berühmten Polonäse Anführers nannte man damals die Dinger despektierlich, aber liebevoll "Freund Herbert".
Der Alleinunterhalter ward erschaffen.........
   
.... und nur noch ein kleiner technischer Schritt, und die Begleitautomatik der Orgel unseres Alleinunterhalters nahm diesem die Arbeit für die linke Hand und den Bassfuß ab.
Mit sage und schreibe 8 (acht) automatisch selbstspielenden, "überaus realistischen" Grundrhythmen konnte man fortan alle Genres der „leichten Unterhaltundsmusik“ spielen. Und dank der bald erfundenen "Memory-Taste" konnte man sogar die linke Hand zwischendurch von den Tasten heben.
Diese Möglichkeit degradierte allerdings seitdem den Alleinunterhalter in der Gunst des Publikums zum "Knöpfchendrücker".
Eines hatten alle die bis hier beschriebenen „Formationen“ gemeinsam.
Je nach Besetzung war man in der Anzahl verschiedener Sounds sehr begrenzt, ob es sich dabei nun um Orgel oder Akkordeon handelte.
 
Zudem mussten die „automatischen Partner“ lange ohne Intros, Endings und Fills auskommen. Die kamen erst später.
 
Beim Rhythmus musste die Taktart stimmen und der Bass mit Akkorden kam so rüber, wie man es eben von dieser Art Musikern gewohnt war, nun eben auch „automatisch“, nach Begleitschemen, wie man sie beispielsweise aus Notenheften der damaligen Zeit zuhauf fand.
Einen Bezug zu der „originalen“ Vorlage, wie man sie eben nur von Schallplatte und Radio hörte, stellte damals niemand her.
Hier die Schallplatte, dort die Orgel.
So einfach war das damals, und da reichten wirklich und wahrhaftig ganz wenige Grundrhythmen aus.
Dies sollte sich im Laufe der Zeit jedoch stark ändern........
Die technische Entwicklung nahm ihren Lauf
Durch die „Erfindung“ des mehrstimmigen Synthesizer mit Tasten fielen sozusagen als Abfallprodukt „Natur-Instrumentenklänge“ für die Orgel an.
Die Orgel konnte plötzlich auch Gitarre, Trompete, Piano und, weiß der Kuckuck was sonst noch, spielen. Anschlag-Dynamik tat ein Übriges, die „Sample-Technik“ wurde eingeführt. Die Darstellung von x-beliebigen Instrumenten via Tasten wurde immer realistischer!
Aus der Elektronik-Orgel, die auch einige andere "Instrumente" spielen konnte,
entstand das Arranger-Keyboard,
das so ganz nebenbei noch Orgel spielen kann.
Dieser Fortschritt fand natürlich auch auf der Style-Ebene, also in der Begleitautomatik statt. Und irgendwann, vielleicht wurde gerade ein Popsong mit dem Style 8Beat1 gespielt, bemerkte jemand: „Junge, Junge, das klingt ja wie das Original, also wirklich, fast wie auf der Schallplatte !“
Und tatsächlich, durch fast realistische Sounds, dynamische Rhythmus-Pattern, mehrere Variationen, verbunden mit echten Fill Ins, sogar passablen Intro und Ending, war es endlich gelungen, ein bekanntes Musikstück mit hohem Wieder-erkennungswert auf einem einzigen Instrument darzubieten.
 
Aber was sage ich ein Musikstück ?

Gleich mehrere, nein viele solcher Stücke konnte man nahe dem Original spielen. Und das nicht nur beim 8Beat1, sondern auch beim Rhumba oder Walzer oder Tango oder..., alle unsere 8 Grundrhythmen von einst waren so spezialisiert und qualifiziert worden, dass man ganz, ganz viele Musikstücke plötzlich nachspielen konnte.......
 
…...so spezialisiert und qualifiziert, dass man damit aber viel, viel mehr bekannte Musikstücke nicht mehr spielen konnte.
Natürlich haben die Hersteller reagiert und nun gleich mehrere Styles eines Genres in ihre Keys eingebaut.
Staunte und freute man sich anfangs über die Masse von 32 Styles in einem Keyboard,
so findet man heutzutage 300 davon als normal...
.....und selbst mit so vielen Styles bleibt die Menge
der nicht damit spielbaren Musikstücke unendlich größer, als die der möglichen......
.......unser eigenes Anspruchsdenken und das unserer Zuhörer dabei ganz außer acht gelassen in dieser Betrachtung.
 
Hier Schallplatte, dort die Orgel
gibt es nicht mehr.
 
Bis hierhin kann man also sagen, dass es sich bei den Werkstyles der heutigen Arranger Keyboards in der Regel um sogenannte, auf die verschiedenen Genres bezogene Universal-Styles handelt. Mit diesen Universal-Styles, wenn sie denn qualitativ genügen, kann man viele traditionelle und einfach strukturiere Musikstücke aus den verschieden Genres wie Volksmusik, Rock und Pop, Disco und Country und Schlager mit deren Takt- und Tanzstilen wie Walzer, Polka, Slowfox und vielen anderen mit mehr (oder manchmal) auch weniger gutem Erfolg spielen.
Man kann also damit im buchstäblichen Sinn „Musik machen“, man kann damit „üben und planen“, man kann damit einige Fähigkeiten des Keyboards ausloten.
 
Viele bekannte, beliebte Lieder, die einen Evergreen-Status aufgrund bestimmter spezifischer Elemente erhielten, kann man mit diesen Universal-Styles allerdings nicht entsprechend ihrer Vorlage nachspielen.
Denn könnte man dies, wären diese Styles keine Universal-Styles.
 
So mag es zutreffend und richtig sein, wenn ein Alleinunterhalter heute behauptet:
„Ich bestreite mein gesamtes Programm mit den Werkstyles meines Keyboards !“

 
Wirklich meint er aber damit:
„Mein Programm besteht nur aus Liedern, die sich mit den Werkstyles meines Keyboards spielen lassen.
Es ist mir nicht möglich, auch nur einen kleinen Teil aller restlichen zig-tausend Lieder zu spielen !“
was also ist dann der
Sinn und Zweck der Werkstyles ?
Mit meiner Aussage, dass man mit den in unseren Keyboards eingebauten Werkstyles nur eine kleine, begrenzte Anzahl von bekannten Musikstücken unseres Genres spielen kann, stoße ich immer wieder auf das Unverständnis von einigen Kollegen. Mag ja sein, dass ich damit falsch liege.
Nur sei mir dann die Frage nach dem Sinn für die bei den meisten Keyboards eingebaute Möglichkeit der Styleprogrammierung erlaubt.
 
Wieso verdienen spezielle Firmen gutes Geld, indem sie für alle möglichen Keyboard-Formate Styles anbieten?
Nun, wenn selbst das meine Widersacher nicht mal wenigstens zum Nachdenken animiert, brauche ich mir über weitere Argumente nicht mehr den Kopf zerbrechen.
Es sei denn, es fragt mich jemand, warum die Keyboard-Hersteller selbst so viel Aufwand und damit Geld in die Erstellung ihrer Werkstyles stecken. Ist doch doof, wenn man diese Styles letztendlich doch nicht benutzen kann, oder.......?
 
Nun, die Werkstyles sind das Aushängeschild eines Keyboards.
Schalten wir beim Händler so eine Kiste ein und finden relativ schnell die Synchro-Start-Taste, geht auch schon direkt die Post ab. Ganz flott hat man sich durch einige (Werk)stylebänke gesteppt. Assoziationen zur bekannten Musik-Literatur bauen sich auf. Man ist, abhängig vom eigenen Geschmack, leicht enttäuscht oder schwer begeistert und erhält noch ganz nebenbei erste Eindrücke über die vielfältigen Soundeigenschaften des betreffenden Keys.
 
Kurz und gut; die Hersteller müssen gute Styles einbauen, damit die Keyboards den „einfachen“ Spielern und Anfängern sofort gefallen, deren Begeisterung und vor allem sofortigen Kaufwunsch schnellsten wecken.
Erfahrene Alt-User sollen darüber hinaus hören, was in dem „Neuen“ machbar ist, was an der Struktur gegenüber dem Vorgänger möglicherweise verbessert wurde.
 
Und letztendlich werden diese Werkstyles von hervorragenden Vorführern bei Präsentationen gespielt.
 
Dabei sind dann schwierigste und für unmöglich gehaltene mit einer Begleitautomatik zu spielende Titel zu hören.
Natürlich fällt den wenigsten Besuchern an diesem Abend auf, dass der Vorführende immer nur ganz bestimmte Teilbereiche aus der bekannten Vorlage gespielt hat.
Später, in aller Ruhe zu Hause, auf der Suche nach spielbaren Styles für diese Stücke, merkt man, dass man zwar den Style von neulich gefunden hat, damit aber nicht die restlichen Teile der ach so tollen Nummer spielen kann.
Nun hat man aber mal die Kiste, gibt natürlich die erste Enttäuschung bloß nicht zu, und spielt den Rest vom Titel eben nicht so nah am bekannten Stück. So wurde wahrscheinlich auch eines der meist benutzten Musikerzitate geboren:
„Es muss ja nicht immer original sein !“
Gesagt von den Gleichen, die sich dumm und dusselig freuen, das eine oder andere Lied mit einem Werkstyle fast im Original auf ihrer Kiste spielen zu können, während der Kollege am Konkurrenzmodell den Style gerade nicht im Key hat.
Dass die Werkstyles so ganz nebenbei ein riesiges Archiv an Style-Elementen für unzählige Musikstücke bilden, entgeht vielen Usern schlicht und einfach.
Gerne erzählen sie zwar herum, dass man auf ihrem Keyboard damit die tollsten Styles auch selbst machen kann, nur tun tun sie´s nicht......
Anhand der Werkstyles
das Keyboard mit der richtigen Begleitautomatik auswählen !?
Die Zeit der sogenannten „Tischhupen“ ist vorbei und wir leben in einer Zeit, in der man die Begleitautomaten der verschiedenen Hersteller ab einem bestimmten Preis-Segment nicht mehr in „gut und schlecht“ unterscheiden kann.
Heute muss (sollte) man die Begleitungen in „geeignet“ oder „nicht geeignet“ einteilen, und zwar bezogen auf jeden einzelnen Keyboardspieler, der eine Begleitautomatik zum Spielen braucht.
Oft machen wir die erste Bekanntschaft mit einem brandneuen Keyboard bei einer Präsentation der Herstellerfirma, ausgerichtet von einem Händler in unserer Nähe.
Nach der obligatorischen Vorstellung des wohl derzeit besten in ein Keyboard eingebauten Grand-Pianos erhalten wir bald einen ersten Eindruck über die Beschaffenheit der Begleitautomatik des betreffenden Geräts.
 
Gut geschulte und auf die Modelle des Herstellers spezialisierte Vorführer bieten uns Einblicke in die Güte der Werkstyles und so ganz nebenbei auch noch über die Beschaffenheit der verfügbaren Sounds.
Denn was wir hier an „Material“ hören, steht in der Regel ja auch für die rechte „Melodiehand“ zur Verfügung.
Natürlich wählt der Vorführer sein Demo-Programm so geschickt aus, dass für Zuhörer aller musikalischen Geschmacks-Richtungen was dabei ist.
Und wenn nicht gerade alles schief läuft bei dieser Veranstaltung, wird das Groß der Besucher wieder mal begeistert sein von dem soeben Gehörten, den neuen Möglichkeiten der Bedienung, der Vielfältigkeit der Werkstyles.
Mann, damit könnte man ja jetzt all die Stücke spielen, die einem mit dem „alten“ Key verwehrt waren. Neue Möglichkeiten zum Spielen der „alten Nummern“ erwecken Besitzwünsche, kurz, Sinn und Zweck der Veranstaltung wurden erreicht.
Und genau so soll es ja auch sein.
Danach liegt es nun allerdings in der Verantwortung der angesprochenen Interessenten, die bei der Präsentation gesammelten Eindrücke und Erfahrungen in Bezug auf eigene musikalische Vorstellungen, Bedienbarkeit und vor allem eigene, spieltechnische Fähigkeiten zu überprüfen.
Verhalten sich und/oder klingen die Werkstyles des vorgeführten Instruments unter den Fingen eines
„Otto-Normal-Users“
so wie unter denen des erlebten Vorführers?
Wenn dieser Punkt individuell nicht eindeutig abgeklärt ist, kommt es zu den „unglücklichsten Paarungen“: Minimallisten und auch Durchschnitts-Spieler sind von der Vielfältigkeit einer Hightech-Begleitung erschlagen und bedienen oder nutzen nur 40% der Möglichkeiten.  
 
Oder Vollblut-Arrangeure merken zu spät, dass ihre musikalischen Träumereien nicht zu realisieren sind, weil für sie wichtige Funktionen einfach fehlen, im Konkurrenzmodell aber zum Standard gehören.
 
Kurz, Akteur und Keyboard passen nicht zusammen, was überhaupt nichts über die Qualität beider aussagt, außer, dass die falschen Komponenten zueinander fanden.....