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Als für mich endgültig feststand, dass der Roland G-70 das letzte von mir gekaufte Rolandprodukt sein würde, legte ich mir im Sommer 2009 als Nachfolger (für zu- künftiges musikalisches Schaffen und Wirken im Hobby) den KORG pa800 zu.
Vor vielen Jahren hatte ich mit Produkten dieser Firma (Polysix, Poly 800 und CX 3) schon sehr gute Erfahrungen gemacht, warum sollte sich der Kreis also nicht wieder mit Produkten dieser Firma quasi schließen?
 Allgemeiner Eindruck 
Das in dezentem „Tiefblau“ gehaltene Kunststoffgehäuse vermittelt, anders als beim PSR-S900, auch beim Anfassen einen soliden Eindruck. Lediglich das aufgesetzte Display-Pult (und auch die Joystick-Fassung) machen da eine Ausnahme und erinnern mehr an die typischen „Bagalit“-Bauformen im Haushaltsbereich der 50er. Aber das ist wohl Geschmackssache und in jedem Fall noch tragbar (im wahrsten Sinne des Wortes).
Nach meiner Meinung verfügt das pa800 über die Keyboard-Tastatur schlechthin, wenn man bedenkt, dass Rolands Teil zwar im Endeffekt da noch besser abschneidet, im Grunde genommen für ihren typischen Einsatz aber überdimensioniert ist (und damit wohl teurer und schwerer). Wären die Tasten beim pa800 jetzt auch noch „untenherum“ geschlossen, na, dann hätte ich ja gar nichts zu meckern.
Die Bedientaster finde ich auch ziemlich gut, kleiner dürften sie allerdings wirklich nicht sein. Und meist liegen sie auch da, wo man sie erwartet. Lediglich die „Sparmaßnahme“, bei bestimmten Tastern auf die Status-LED zu verzichten, entzieht sich meinem Verständnis.
Einige wichtige Schaltbefehle kann man allerdings nur über den Touchscreen erreichen, schade.
Nach meinem Geschmack bedarf es dort an manchen Stellen auch zu viel Druck und Zielgenauigkeit. Beim G-70 finden wir genau das Gegenteil vor, man kann es eben nicht jedem recht machen. Farblich wirkt das pa800-Display in der Defaulteinstellung auf mich mehr wie ein nachkolorierter S/W-Film. Dies kann aber in den Global-Interface-Einstellungen vortrefflich geändert werden, sehr gut!
 
 Sound   
Das Wichtigste in dieser Abteilung:
Korgs pa800 verfügt über Sound-Bearbeitungsmöglichkeiten, die Yamaha- und Roland-besitzer vor Neid erblassen lassen.
Damit habe ich mich schon ein klein wenig beschäftigt. Und das hat meine Stimmung bezüglich den Sounds im pa800 spürbar verbessert.
Denn diese Abteilung erzeugt im Auslieferungszustand bei mir gemischte Gefühle. Gute und sogar sehr gute Sounds sind in allen Keyboards dieser Kategorie zu finden, aber selten so viele schlechte E-Gitarren. Da frage ich mich, ob die Ersteller dieser Soundgruppe nur so mies drauf waren, oder ob da mein Geschmack anders geartet ist.
Auf jeden Fall gut zu wissen, dass man daran noch schrauben kann......
Und dabei geht es nicht nur um Resonanz-, Cutoff- und ein paar Hüllkurvenfilter. Man hat Zugriff auf alle Einzelsamples und deren Steuerung über Velocity und Aftertouch, damit verbundenen Multilayers (16 Samples können beispielsweise „geschichtet“ werden) und vieles mehr.
Sogar eigene Samples (eingebauter Sampler!!) können erstellt und bearbeitet werden. Einzig der Umstand, dass all dies im deutschen Handbuch so gut wie nicht beschrieben ist, trübt ein wenig den sonst hervorragenden Eindruck. Deshalb dazu an anderer Stelle mehr......
 Styles  
Wie schon an anderer Stelle erwähnt kommen mir auch heute noch einige Werkstyles des pa800 zu aggressiv daher. Auf den zweiten Blick allerdings findet man Sahnestückchen, wie man sie auf Keys anderer Hersteller vergeblich sucht. Das kann man nicht beschreiben, das muss man hören.
Korgs pa800 verfügt über eine Begleitautomatik-Struktur, die viel mehr Möglichkeiten zur Erstellung eigener, aber auch Bearbeitung vorhandener Styles bietet, als dies bei Roland und Yamaha der Fall ist. Allein schon die Speichermöglichkeiten, permanent als neuer Style oder nur temporär in einer Performance, suchen ihresgleichen bei der Konkurrenz.
Nicht zu verachten die Möglichkeit, dass man Werkstyles-Speicher ganz einfach durch selbst erstellte oder von KORG für Kunden laufend nachgelieferte, kostenlose Styles überschreiben kann. Auch dazu an anderer Stelle mehr.......
 
 Effekte    
In dieser Abteilung bleibt auch nach Betrachtung der pa800 Effekte das Yamaha PSR-S900 absoluter Spitzenreiter.
Statt 5 Effekt-Einheiten im G-70, bietet das pa800 derer sogar nur vier. Allerdings handelt es sich dabei jeweils um ein Gerät der Roland-MFX-Klasse, also praktisch 4 x MFX. Das ermöglicht einen größeren Verteilungsspielraum dieser Effekt auf die einzelnen Parts.
Die gebotenen Effekte sind durchschnittlich bis gut in der Qualität. Alles in allem gefällt mir diese Abteilung ein klein wenig besser als im G-70.
 
 Gesang / Harmony 
Die Gesangsanlage des pa800 ist für die „Solostimme“ in etwa mit der des G-70 zu vergleichen. Auch hier kann man den mit den verschiedensten Effekten versehenen Gesang über separate Einzelausgänge unabhängig steuern.
So schnelle „Live-Eingreifmöglichkeiten“ wie im G-70 sind allerdings nicht zu finden.
Den eingebauten TC-Helicon Gesangsprozessor kenne ich in dieser Form nicht als Stand alone Gerät. Möglicherweise wird er also nur für Korgs pa800 so angeboten.
Gegenüber meinem TC-Helicon Voiceworks fehlen im pa800 eine Stimme und zahlreiche Parameter, und das ist für Leute wie mich gut so.
Dadurch ist das wirklich elementare vorhanden, und die meisten Werte, an denen man viel falsch machen könnte, fehlen.
Soll einfach nur heißen, in Sachen Gesang & Harmonie können Roland und Yamaha nur noch an Prestige gewinnen, wenn sie ihre „Chöre“ ausbauen und wegschmeißen......
Kurzfazit:
Mein Verhältnis zum pa800 von Korg beruht wahrlich nicht in Liebe auf den ersten Blick. Aufgrund selbst verfasster Vorurteile und ersten Eindrücken anderer Besitzer eines Korg Keys, näherte ich mich nur sehr zögerlich und vorsichtig dem „Neuen“.
Wie lässt sich (m)eine Musikphilosophie“ vom jahrelangen Werkeln an
Rolandinstrumenten nun mit Korgs pa800 umsetzen?
Nun, indem man den Roland einfach mal vergisst und die eigenen Vorstellungen
am pa800 nach dessen Möglichkeiten einstellt.
Denn soviel steht für mich mittlerweile fest:
Styles  und Arrangements meiner Vorstellung nach G-70 Vorbild und Struktur auf dem pa800 zu erstellen, ist tatsächlich nicht möglich.
Aber Styles und Arrangements nach meiner Vorstellung losgelöst von G-70 Beschränkungen und nach Korg-Struktur noch besser und vor allem einfacher zu erstellen, das ist möglich.
Für mich ist der pa800 von KORG ein Wolf im Schafpelz
Und nun, nach genügend Einarbeitungs- und Spielzeit muss ich gestehen:
Aus einem Roland-Keyspieler ist wohl ein Korg-Keyspieler geworden !!

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